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Freitag, 5. März 2021

USA hängen Deutschland beim Impfen weiter ab

 USA hängen Deutschland beim Impfen weiter ab (WELT)

Rund 20 Millionen Amerikaner, sechs Prozent der Bevölkerung, haben bereits die erste Covid-Impfung erhalten. Das sind weit mehr als in Deutschland, wo diese Quote bei knapp zwei Prozent liegt. Ein Prozent der Amerikaner haben bereits zwei Impfdosen erhalten.

Derzeit werden in den USA Tag für Tag im Schnitt 1,1 Millionen Impfungen verabreicht. Doch der neuen amerikanischen Regierung geht es nicht schnell genug voran. „Ich denke, dass wir in der Lage sein werden, das auf 1,5 Millionen Impfungen pro Tag zu bringen“, sagte Präsident Joe Biden am Montag. 1,5 Millionen Impfungen am Tag – das ist fast annähernd so viel, wie Deutschland in vier Wochen an Erstimpfungen seinen Bürgern verabreicht hat (1,6 Millionen Erstimpfungen).

Wie die Kanzlerin in der Corona-Krise die Nerven verliert

 „Das ist alles furchtbar“

Wie die Kanzlerin in der Corona-Krise die Nerven verliert

Von Alexander Kissler NZZ

Der Ton zwischen Politik und Bevölkerung wird gereizter. Angela Merkel und andere deutsche Spitzenpolitiker reagieren dünnhäutig auf Kritik und nehmen die Bürger in die Verantwortung. Den Blick auf eigene Versäumnisse scheuen sie jedoch.

  • Dem letzten sächsischen König wird der Satz «Dann macht doch euern Dreck alleene!» zugeschrieben. So treffend fasst dieser Satz auch das Wesen aller Politik zusammen. Diese sieht sich oft Situationen gegenüber, die sie nicht beeinflussen kann. Dann bleibt nur die Arbeit am Unvermeidlichen – oder die Flucht zur beleidigten Leberwurst.
  • Auch die Kanzlerin scheint der Versuchung zur trotzigen Pampigkeit zu erliegen. Die Nerven liegen blank. «Was wollen wir denn jetzt noch meckern?» antwortete sie auf die Frage nach dem schleppenden Impfverlauf und lobte Biontech und deren Mitarbeiter. Niemand wirft den Impfstoffproduzenten aus Mainz jedoch vor, Faulpelze zu sein. Aber es gibt begründete Kritik an der mangelnden Verfügbarkeit der Vakzine in Deutschland und dem – verglichen mit anderen Ländern – langsamen Impftempo.
  • Kritik als «meckern» zu verunglimpfen, zeugt von einem seltsamen Bewusstsein für die Art und Weise, in der die Regierung mit der Bevölkerung kommunizieren sollte.
  • Merkels Ausbruch ist sinnbildlich. Je lauter die Kritik am deutschen Anti-Corona-Management in der Bevölkerung wird, desto harscher fallen die Retourkutschen mancher Politiker aus.
  • Am Beginn des neuen Jahres scheint für die Kanzlerin angesichts weiterhin hoher Infektionszahlen klar: „Die Menschen» waren nicht folgsam genug“
  • Spahn münzte Kritik an seiner mäßig erfolgreichen Bestellpraxis und an der Trägheit des deutschen Gesundheitssystems um in die allgemeine Warnung vor einem «Jahr der Schuldzuweisungen». Die Frage nach der politischen Verantwortung wird faktisch zur Schuldzuweisung an den, der fragt.
  • Gleiches gilt für Söder, der in Bayern auf die derzeit höchste Zahl an Neuinfektionen blickt, trotz Söders markigen Worten und seinem Beharren, die Corona-Krise sei «Bewährungsprobe und Charaktertest» für alle.
  • Gemeint ist offenbar der Charakter der anderen, der Bürger, an deren Verhalten sich entscheide, ob das Land die Krise überwindet. Söder will wie Merkel und Spahn das eigene Tun von Kritik fernhalten, indem er den Blick nach vorne empfiehlt, weg von möglichen Fehlern in der Vergangenheit.

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Merkel beklagt in geheimer Videoschalte Behördenversagen

 Merkel beklagt in geheimer Videoschalte Behördenversagen

In einer Videoschalte soll sich Merkel laut BILD mit führenden Unions-Politikern zu Behördenversagen und Kontrollverlust geäußert haben. Die Kanzlerin wird unter anderem so zitiert:

  • „Uns ist das Ding entglitten“
  • „Wir müssen auf eine Inzidenz unter 50 kommen, aber jetzt freuen sich alle, wenn wir unter 200 sind. Das ist alles furchtbar. Man nennt es Naturkatastrophe.“
  • „Die Gesundheitsämter haben keine Fähigkeit mehr zur Kontaktnachverfolgung.“  
  • „Die wurden im November verpflichtet, eine einheitliche Software einzuführen", so die Kanzlerin. Doch nur ein Drittel der Ämter seien bisher an das System angebunden. „Es gibt viele Ausreden."
  • „Wir müssen noch strenger werden, sonst sind wir in 14 Tagen wieder da, wo wir waren",
  • Durch die Mutationen lebe Deutschland "auf einem Pulverfass".
  • „Hundertmal habe ich die Frage in den Runden gestellt: Warum können wir die Reisen nicht verbieten?“,
  • „Dann bekomme ich immer die auf ehemalige DDR-Bürger gemünzte Antwort, dass wir ein freies Land sind. Man kann zwar 15 Kilometer Sperrzone einführen, aber es ist schwer, Reisen in die Welt zu verbieten.“
  • Sie wolle daher „Reisen unattraktiv, unangenehm machen“ und ein härteres Grenzregime einführen. 
  • "Wir müssen den Flugverkehr so ausdünnen, dass man nirgendwo mehr hinkommt",
  • "Wir brauchen ein härteres Grenzregime."
  • „Wir können jetzt nicht über Öffnungen sprechen“, ein Ende des Lockdowns sei keineswegs sicher.
  • „Wir müssen andersrum öffnen als beschlossen: erst Kitas und Schulen, dann Geschäfte, dann Restaurants.“

Dass sie sich so in der Sitzung geäußert hat, wurde RTL inzwischen von Teilnehmern bestätigt.

"Fielen solche Sätze öffentlich, bliebe danach eigentlich nur der Rücktritt. Es wäre das Eingeständnis, nichts bewirkt zu haben, eine politische Kapitulation" (Alexander Kissler)

USA auf dem Weg zu „Zero Covid“ – und Deutschland droht der Jo-Jo-Lockdown

 USA auf dem Weg zu „Zero Covid“ – und Deutschland droht der Jo-Jo-Lockdown

Von Thomas Straubhaar 26.01.2021 (WELT)

Die USA dürften als eines der ersten westlichen Länder „Zero Covid“ erreichen. Nach einem Chaos-Start hat Amerika die Pandemie offensiv bekämpft – mit Impfungen und ohne das Land dicht zu machen. In Deutschland rächt sich jetzt die Liebe zur Alternativlosigkeit.

Seine Thesen:

  • Wenn alles wie erwartbar läuft, werden die USA als eines der ersten westlichen Länder überhaupt „No Covid“ erreichen. Seriöse Szenarien zeigen auf, dass sich die USA bereits zu Sommerbeginn einer Herdenimmunität nähern werden.
  • Rund ein Drittel der Bevölkerung dürfte bis Anfang Juli durch Impfungen vor einer Corona-Infektion geschützt sein. Ein weiteres Drittel könnte durch eine überstandene Corona-Erkrankung immunisiert sein. Sobald zwei Drittel der Bevölkerung gegen Ansteckung und Weiterverbreitung gefeit sind, sollte nach allen gängigen wissenschaftlichen Simulations-rechnungen die Pandemie rasch auslaufen.
  • Ausgerechnet die USA machen es also den meisten anderen westlichen Demokratien vor, wie sich eine Pandemie wirkungsvoll und rasch überwinden lässt – und das nach einem Beginn, der chaotisch und katastrophal verlief und immens hohe Opferzahlen und Todesfälle verursachte.
  • Aber eben auch mithilfe einer Politik, die nicht einen Moment lang ängstlich das Heil in einer defensiven „Zero Covid“-Strategie suchte, alles dichtmachen, die Bevölkerung in eine soziale Isolation und die Wirtschaft in eine Schockstarre versetzen wollte.
  • Vielmehr wurde in den USA von Anfang an eine offensive Herangehensweise gewählt. Unstrittig ist, dass dadurch zunächst Infektions- und Sterbezahlen weit stärker nach oben schnellten als anderswo – beispielsweise in Deutschland.
  • Vertieft zu analysieren verbleibt jedoch, wie am Ende die Schlussbilanz aussehen wird, wenn auch die indirekten Schäden für das übrige Gesundheitswesen, die Wirtschaft und das gesellschaftliche Zusammenleben auf das Wohlbefinden und die Sterblichkeit einbezogen werden.
  • Denn eine defensive „Zero Covid“-Strategie bewahrt zwar Menschen vor Corona-Infektionen, setzt sie aber einer Menge anderer gesundheitlicher Risiken aus, die mit Homeschooling und Homeoffice, Alleinsein und Vereinsamung, einer Kappung sozialer Kontakte, Sorgen um den Job, Geschäftsschließungen und ökonomischen Verlusten einhergehen.
  • Am Ende zeigt sich nun, dass nicht eine Schneckenhausstrategie des allgemeinen Rückzugs in einen flächendeckenden Stillstand endgültig und nachhaltig zum raschen Ziel führt, sondern das Vertrauen in angepasstes menschliches Verhalten, moderne Technologien und massentaugliche Innovationen bei Impfstoffen und Medikamenten
  • Nun rächt sich, dass zu Beginn der Pandemie alle kritischen Fragen zu vorstellbaren Lockdown-Alternativen zu rasch als unethisch und damit moralisch verwerflich gebrandmarkt wurden – nur weil es in der Tat um Leben und Tod ging und geht.
  • Unlogische, fehlerhafte, widersprüchliche und offensichtlich unwirksame Maßnahmen zersetzen Verständnis und Akzeptanz der Bevölkerung für politische und gesellschaftliche Belange

Harter Lockdown brachte kaum positiven Effekt

 CoDAG-Bericht der Uni München: Harter Lockdown brachte „kaum positiven Effekt“

Renommierte Forscher der Universität München haben in einem neuen Bericht die Wirksamkeit der Lockdown-Maßnahmen in Deutschland systematisch untersucht und kommen zu dem Fazit, dass die Forderung noch bundeseinheitlichen Maßnahmen "kritisch zu hinterfragen" sei.
Die Zahl der Lockdown-Kritiker in Deutschland nimmt immer weiter zu, während sich die Bundeskanzlerin zunehmend einigelt und fast ausschließlich von Lockdown-Hardlinern beraten lässt. Doch der wissenschaftliche Diskurs ist breiter als die ausgewählte Anzahl an „Zerocovid“-Anhängern, die Merkel um sich schart. Forschungsberichte der Ludwig-Maximilians-Universität München stellen nun ebenfalls die Lockdownstrategie als solche in Frage.

Dazu:

Stanfort-Studie: Kein Nutzen durch Lockdown, aber Risiken