Inzidenz von 50 oder Corona-Politik im Blindflug
Maßnahmen
ergreifen, zwei Wochen abwarten bis eine Wirkung erkennbar ist, mehr
vom selben und nachschärfen –so funktionierte die Corona-Politik
bislang.
Doch seit
Wochen regiert die Bundesregierung im Blindflug! Es wirkt, als würde sie
mit einer Schrotflinke ins Dunkel schießen, in der Hoffnung, dass
irgendwelche Kugeln vielleicht treffen könnten.
Einen
Tag, bevor das Bundeskanzleramt eine Verlängerung und Vertiefung der
Corona-Maßnahmen durchsetzen wollte, wusste weder die Bundesregierung
noch die Bevölkerung, wie es um die Pandemie in Deutschland wirklich
steht. Die gemeldeten 7141 Neuinfektionen – unvollständig und zu
niedrig.
Seit Mai
ist die 7-Tage-Inzidenz von 50 der festzementierte Zielwert der
Bundesregierung. Es heißt, dass die Gesundheitsämter nur bis zu dieser
Obergrenze die Kontakte von Corona-Infizierten nachverfolgen und das
Infektionsgeschehen so unter Kontrolle halten könnten. Diesen gilt es
möglichst deutlich zu unterschreiten, koste es was es wolle. Dabei kann
es aber nicht um die Funktionsfähigkeit von Gesundheitsämtern gehen.
Vordergründig muss es um die physische und psychische Gesundheit, um
wirtschaftliche Existenzen und um die Zukunftschancen der Kinder gehen.
Unsere Verwaltung hat hier versagt.
Seit Mai ist offenbar nichts
passiert, um die Obergrenze nach oben anzupassen und sicherzustellen,
dass die Gesundheitsämter auch mit Inzidenzen von 80 oder 100
klarkommen, mehr Kontakte nachverfolgen können und Deutschland nicht in
den Lockdown muss.
Das
Versäumnis der Regierungen, die Gesundheitsämter in der größten Krise
der Nachkriegszeit personell und materiell so auszustatten, dass sie den
Herausforderungen gewachsen wären, zwingt 80 Mio. Menschen in einen
unbefristeten Lockdown.
Das
interdisziplinäre Corona-Expertengremium in NRW hat scharfe Kritik an
der Umsetzung der pandemiebedingten Maßnahmen in der Verwaltung und der
Nachverfolgung des Infektions-geschehens in den Gesundheitsämtern
geäußert.
Wenn wie
selbstverständlich von allen privaten Akteuren größte
Anpassungsleistungen erwartet würden, dieses aber beim öffentlichen
Verwaltungshandeln verdrängt und nicht nachgebessert würde, sei das der
Gesellschaft nicht länger vermittelbar. Seit Jahren offenbare der
Rückstand der öffentlichen Verwaltung in der Digitalisierung sich jetzt
in eklatanter Weise.
Erst
jetzt, ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie, werden die Regierungen
wach. Nach Punkt 13 der Beschlussvorlage der Bundesregierung vom
19.01.2021 sollen bis Ende Februar alle Gesundheitsämter eine Software
für die „bessere“ Nachverfolgung der Corona-Kontakte installieren und
sukzessive implementieren.
Der
Leiter des Gesundheitsamtes Dortmund hat gegenüber Georg Mascolo von
RTL geäußert, dass er mit einer vernünftigen digitalen Ausstattung 80,
100 ja sogar 250 Inzidenzen problemlos nachverfolgen könnte.
Nur
mal so: Hätte es das vor einem Jahr gegeben oder vor 6 Monaten, hätten
wir vielleicht gar keinen Lockdown gebraucht, zumal es bei allen
Einschränkungen immer darum geht, die willkürlich festgesetzte
Inzidenzzahl von 50 zu unterschreiten. Kollateralschäden spielen dabei
nur eine Nebenrolle… Wahnsinn!